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Wie ein Pfau stolziert Murphie herum, weil so viele seiner Freunde sich persönlich von ihm verabschieden und gute Wünsche schicken. Mir wirft er hochmütige Blicke über seine Schulter zu als wolle er sagen: „Mach du nur, du Minifrosch. Wirst schon sehen, dass es manchmal nicht ganz einfach ist. Ich ruhe meinen Kopf jetzt aus und werde mit aller Gelassenheit beobachten, was du so anstellst.“
Ein echter Macho ist er schon. Als ich mit acht Wochen hier angekommen bin, habe ich mich „hundemäßig“ sehr einsam gefühlt, denn weder „Minifee“ noch Murphie haben mich besonders liebevoll begrüßt. Ist ja auch nicht einfach, so plötzlich mit einem knapp sechs Kilogramm leichten Welpen konfrontiert zu werden, der dauernd um sie herum wuselt. „Minifees“ Zuneigung konnte ich nach kurzer Zeit gewinnen aber der Herr König Murphie rümpft heute noch die Nase, wenn ich immer wieder versuche, ihn zu umgarnen. Es ist als existierte ich überhaupt nicht für ihn, dabei biete ich all meinen Charme auf, um ihm zu gefallen und um ihm zu zeigen, dass ich ihn toll finde. Ich glaube, ich würde vor Überraschung in Ohnmacht fallen, wenn er mir unversehens freundlich über das Gesicht lecken würde. Manchmal übertreibe ich und finde kein Ende mit meinen Versuchen, ihn zu becircen. Da passiert es dann schon mal, dass ich einen Nasenknipser bekomme. Anfangs hat Frauchen mich getröstet, wenn ich laut geschrieen habe aber jetzt lässt sie mich alles alleine ausbaden, weil sie meint, ich müsse endlich kapieren, dass der alte Knabe seine Ruhe haben will. Aber es ist so schwer zu verstehen!
Minifee hat ein viel nachsichtigeres Gemüt. Während der ersten Wochen war ich ihr nicht ganz geheuer. Wahrscheinlich war der Grund, dass ich im Verhältnis zu ihr so winzig war und sie einfach nichts mit mir anzufangen wusste und ihre Erfahrungen in der Meute, in der sie früher lebte, waren nicht die besten. Immer ist sie untergebuttert worden und konnte sich nie durchsetzen. Mit unserer Olli hatte sie es auch nicht leicht, denn der musste sie sich auch unterordnen, was sie sehr lässig getan hat. Sie konnte nicht ahnen, dass in unserem gemeinsamen Leben SIE den Ton angeben darf.
Unfreundlich war sie nie mit mir, ist mir aber immer ausgewichen. „Nur nicht nachgeben“ war mein Motto. Nach etwa drei Wochen ist sie „umgefallen“. Eines Tages blieb sie in der Diele liegen, während ich auf sie zu gerobbt bin und mich dann ganz sachte zwischen ihren endlos langen Vorderpfoten unter ihr Kinn geschmiegt habe. Erst hat sie den Kopf abgewendet aber als ich völlig still liegen blieb, kam ihre große weiche Nase zu meinem Gesicht herunter und ihre dicke Zunge leckte vorsichtig über meine Augen. Ich war hingerissen vor Glück, bin aufgesprungen und in weiten Kreisen um sie herum gehüpft. Schon wieder ein Fehler! Ich hätte mich nicht bewegen sollen, denn vor Schreck sprang sie auf und „flüchtete“ in ihr Kuschelbett in Frauchens Computerzimmer, wo sie am liebsten liegt. Aber nachdem sie mir den kleinen Finger gereicht hatte, habe ich sie mutig verfolgt und bin – fast auf dem Bauch kriechend – bei ihr ins Körbchen gestiegen.
Damit war der Bann endgültig gebrochen und von diesem Tag an hat sie sich wie eine Mama um mich gekümmert, mit allem Drum und Dran wie Gesicht waschen, Ohren putzen, Bauch sauber machen. Wenn es mir langweilig wurde und ich anfing zu zappeln, hat sie einfach ihre Pfote über meine Schultern gelegt, sodass ich mich nicht mehr bewegen konnte!
Seitdem schlafen wir fast immer gemeinsam, wenn Frauchen stundenlang am Computer sitzt und ich darf mich ganz nah an Minifee anlehnen. Am schönsten ist es, wenn sie ihren Kopf über meinen Hals legt oder wenn ich mich an ihren Bauch kuscheln kann. Da ist dann die Welt total in Ordnung und wir schnarchen um die Wette, während die Tasten des Computers unter Frauchens Fingern leise vor sich hin ticken.
Aber Murphies Herz werde ich auch noch erobern!
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