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Was für eine Nerverei! Ich finde meinen Tierarzt eigentlich sympathisch und begrüße ihn mit großer Begeisterung, wenn er uns aus dem Wartezimmer ins Sprechzimmer ruft. Trotzdem beginne ich langsam, ihm nicht mehr so ganz zu trauen. Er streichelt mich mit sanften Händen und seine einschmeichelnde Stimme ist sehr beruhigend und angenehm. Dann gibt es plötzlich einen kurzen heißen Piecks mit der spitzen Nadel und ich soll einfach stillhalten. Ich bin so überrascht, dass es jedes Mal funktioniert. Alle sind gespannt darauf, wie lange ich noch darauf hereinfalle und wann ich anfange, zum Ausgang zu streben, wenn ich zur Behandlung soll.
Im Wartezimmer ist es so richtig interessant. Am liebsten würde ich dort mit all den anderen Hunden und Katzen spielen aber die meisten haben längst ihre Erfahrungen gemacht, sitzen mit großen Augen zitternd da und können in meinen Annäherungs-versuchen gar nichts Positives sehen. Ihre Begleiter sind auch oft nervös und meine Kapriolen entlocken ihnen nur ein müdes Lächeln.
Ganz schlimm ist es, wenn weinende Menschen aus der Praxis kommen und eine „leere“ Leine trostlos traurig in ihren Händen baumelt oder wenn ein Kind eine Schachtel oder einen Käfig trägt, in dem noch vor Minuten ein Meerschweinchen oder ein kleiner Hase waren.
Der Beruf des Tierarztes ist sicher schön aber nicht einfach. Unterm Strich bleibt wenig von der erträumten Romantik des Helfens und Heilens. Meistens muss der Tierarzt erst mal Schmerzen bereiten, um eine Besserung zu erzielen. Was empfindet er, wenn er Pfoten von Katzen amputieren muss, die in eine Falle geraten sind? Wenn er in dem weichen Fell nach Verletzungen suchen muss, die von einem Luftgewehr stammen? Wenn er dem von einem Auto angefahrenen Hund nicht mehr helfen kann? Wenn er „alte Freunde“ einschläfern muss, die er ein Leben lang begleitet hat? Wie geht er mit den Menschen um, die fast wie im Schock vor ihm stehen und von denen er weiß, dass sie nach seinem Weggehen alleine mit ihrer Trauer fertig werden müssen?
Es gibt für ihn aber auch die Freude, wenn er erlebt, wie viele Tiere, die schon fast aufgegeben waren, nach seiner Behandlung ihr normales Leben wieder aufnehmen.
Hin und wieder ist sicher eine gute Portion Humor und Selbstbeherrschung nötig, denn es gibt auch Leute (wie in ihrer Jugend mein Frauchen und später auch deren Kinder), die eine hinkende Maus oder einen halbtoten Vogel anschleppen, und ihn bitten, sie einzuschläfern. Natürlich lacht er nicht darüber aber im Stillen wird er denken, dass man solche Tiere halt doch lieber der Natur überlassen sollte.
...überhaupt der Umgang mit den menschlichen Begleitpersonen der Patienten! Da erlebt er die Ungeduldigen, die Lauten, die Besserwisser, die Unpünktlichen, die Ängstlichen... Mit allen muss er sich arrangieren und Ruhe bewahren, selbst wenn er manchmal am liebsten aus der Haut fahren möchte.
Genau so variabel sind die Hundetypen (und alle anderen Tiere). Von zitternden Fellbündeln, groß und klein, bis zu verteidigungsbereiten Heißspornen, deren Augen Funken sprühen, begegnen sie ihm alle. Und sie werden behandelt, jeder auf seine Weise.
Aber als Ausgleich gibt es ja auch viele Typen wie mich, die fröhlich ins Sprechzimmer hopsen, sich Küsschen gebend auf den Behandlungstisch heben lassen, die man drehen und wenden kann wie es nötig ist und die auf dem Rücken liegend anfangen zu schnarchen, weil das Bauchkraulen so herrlich einschläfernd ist.
Ein Dank an unsere Tierärzte (und an die Tierärztinnen!, die ich natürlich auch alle im Sinn hatte beim Erzählen!)
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