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Lernen
Paddy 01

Als „modern“ erzogener Hund, der noch niemals ungute Erfahrungen mit Menschen oder Artgenossen gemacht hat, freue ich mich immer ohne Vorbehalt über alle möglichen Begegnungen.  Aus der kurzen Zeit in der Hundeschule im Welpenalter, erinnere ich mich gut an die Hundesprache und kann auch einschätzen ob meine Begeisterung erwidert wird oder ob es besser ist, vorsichtig zu sein.

Eine ganze Reihe von Freundschaften habe ich schon geschlossen. Es gibt ja auch viele Möglichkeiten dazu, vor allem mit so manchem „Gasthund“, der mit seinen Menschen den Urlaub in unserer Ferienwohnung verbringt. Die Freude ist groß, wenn wir miteinander im Gästegarten toben können. Es funktioniert nicht immer, denn es ist wie bei den Menschen, manche mögen sich, manche nicht so sehr. 

Romina und Mareen, unsere „Spaziergeh-Kinder“ haben auch eine Menge Freunde für uns gefunden, die wir dann unterwegs treffen oder die wir besuchen. Am besten sind der „Paul“ und der „Henry“, bei denen wir oft vorbei schauen.  Es ist nur schade, dass Minifee und ich nicht von der Leine gelassen werden dürfen, obwohl wir sicher nicht weglaufen würden, denn die beiden „Kinder“ sind immerhin schon fünfzehn Jahre alt und wir mögen sie nicht nur, sondern haben auch Respekt vor ihnen. Die Spaziergänge mit ihnen machen sogar viel mehr Spaß als die mit unseren alten Herrschaften.  Sie lachen mehr, können rennen wie die Gemsen, und oft bringen sie lustige Freunde mit, die die Fröhlichkeit noch verstärken.

Diese Freundschaft dauert nun schon fast ein ganzes Jahr und es ist schwer, sich vorzustellen, dass sie eines Tages zu Ende sein könnte.  Sogar die Tageszeiten, zu denen wir abgeholt werden, sind fast immer dieselben und wir kennen sie genau. Wenn es doch mal später wird, lege ich mich vorsichtshalber an die Dielentür, um sicher zu sein, dass ich das Klingeln nicht überhöre und gleich als erste an der Haustür sein kann.

Allerdings kenne ich einen Hund, dem ich lieber aus dem Weg gehe. Ich spiele zwar gerne auch etwas raue Spiele aber „der“ ist zu viel für mich.  Er findet mich prima und kommt gestürmt wie eine Rakete, um mich zu begrüßen aber in seinem Überschwang merkt er gar nicht, dass er mir oft weh tut, indem er mich umwirft, auf mir herum trampelt und überhaupt kein Gespür hat wie viel ich vertragen kann. Obwohl ich nicht zimperlich bin und auch mal einen heftigen Zusammenprall verkrafte, ist sein ungezügeltes Temperament wirklich übermäßig hitzig. 

In diesem Fall kommen mir meine Erfahrungen in der Hundeschule zugute, denn dort war ein starkes, wildes Dalmatinermädchen, zwar in meinem Alter aber mir natürlich an Kraft weitaus überlegen. Damals war ich noch ein pummeliges Hundekind und es blieb mir nichts anderes übrig als mitzuspielen so gut ich konnte.  So habe ich das schmerzlose Abrollen frühzeitig gelernt und fühle mich nicht bedroht, wenn jemand stürmisch mit mir umgeht.  Trotzdem ist es weitaus angenehmer, mit gleich-starken zu toben.

Die Minifee ist nach wie vor meine allerbeste Kumpanin und unsere Freundschaft festigt sich immer mehr. Vielleicht sollte ich ein wenig mehr Respekt vor ihr haben, denn manchmal gehe ich ihr sehr auf die Nerven, weil sie so nachsichtig mit mir ist und sich alles von mir gefallen lässt.   Aber ich bin eigentlich nicht frech, sondern nur sehr beharrlich und unermüdlich beim Spielen und wenn sie ein ernsthaftes Brummen von sich gibt, lasse ich sie – wenn auch widerstrebend – in Ruhe. 

Wenn ich müde bin hat sie noch immer nichts dagegen, wenn ich mit in ihr Kuschelbett
krabbele, um dort zu schlafen und ich fühle mich vollkommen geborgen, wenn sie mir vor dem Einschlafen das Gesicht, die Ohren und – als sei ich ein Welpe – den Bauch wäscht.  Sie wäre sicher eine vorzügliche Hundemutter gewesen und scheint es zu genießen, dass sie auf ihre alten Tage Chef sein darf.

Gemeinsam schnarchen wir dann aneinander gekuschelt bis die Türe vom Kühlschrank einen leisen Ton von sich gibt und wir schnell in der Küche nachsehen müssen ob es etwas Gutes zu futtern gibt.

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