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Es ist nicht ganz leicht, erwachsen zu werden. Gerade bin ich ein Jahr alt geworden und das Lernen nimmt kein Ende! Dabei geht es im Moment allerdings nicht um das praktische Lernen, sondern eher um das Abstrakte. Wie soll ich mit meinen Menschen umgehen, wenn ihre Stimmen und Augen sich verändern? Es hängen merkwürdig schwermütige Gefühle in der Luft, die sie zwar zu verbergen suchen, womit sie aber nicht viel Erfolg haben. Manchmal sind Spuren von Tränen zu sehen und ich bemerke, wie oft sie sich „räuspern“ müssen. Besonders deutlich wird es, wenn der Name „Murphie“ in ihren Gesprächen genannt wird.
Dem alten Knaben geht es aber auch wirklich gar nicht gut und es sind von Woche zu Woche Verschlechterungen zu beobachten. Noch nie hat der Tierarzt so deutlich darauf hingewiesen, dass unsere graue Eminenz nicht mehr viel Freude am Leben hat... Er ist ja inzwischen schon fast vierzehn Jahre alt, was ihn zweifellos als Methusalem unter den Basset Hounds auszeichnet.
Was eine Entscheidung so unglaublich problematisch macht, ist die Tatsache, dass es sich bei seinen Beschwerden „nur“ um echte Alterserscheinungen handelt, die sich nicht mehr umkehren lassen. Sie sind inzwischen so gravierend, dass sie sowohl ihn als auch die Familie sehr belasten. Angefangen hat es vor langer Zeit damit, dass er sich nicht mehr gut bewegen konnte und vor allem beim Aufstehen Schwierigkeiten hatte. Auch sein „Kopf“ hat nicht mehr richtig funktioniert und er stand oft verwirrt herum, als wisse er nicht mehr, was er eigentlich vorhatte. Mit Medikamenten ließ es sich in den Griff bekommen und wir sind der Hoffnung erlegen, es könne so weitergehen.
Nun ist seit Wochen ein Punkt erreicht, an dem uns die große Entscheidung abverlangt wird, denn die Wirkung der Medikamente hat nachgelassen. Es ist nicht mehr möglich, die Dosis zu erhöhen.
...und was meint er selbst dazu? Können Menschen wirklich eine Einsicht haben in die Gefühle und Wünsche ihrer Hunde? Können sie ermessen ob die Meldung, die sie zu erhalten glauben, realistisch ist? Wenn es so ist, spricht Murphie eine deutliche Sprache. Sein Leben ist so beschwerlich geworden, dass er gerne seine Ruhe hätte. Niemand kann einem anderen dabei helfen, diesen Entschluss zu fassen, ein Hundeleben auf würdige Weise zu beenden. Es sind so endlos viele Gespräche geführt worden und in diesem Fall wäre, wie so oft, eine akute, nicht reversible Krankheit gnädiger. Hier stellt sich „nur“ die Frage – wie schmerzlich muss sein Leben werden, ehe wir es beenden dürfen. Heute – morgen – nächste Woche.....?
Die Trauer um ihn wird heute so groß sein wie morgen oder irgendwann. Ich bin überzeugt, dass wir seine Aussage richtig interpretieren und dass der Zeitpunkt erreicht ist, dass er sich verabschieden darf. Er grüßt euch alle noch ein letztes Mal herzlich und dankt euch für eure Zuneigung, für jeden einzelnen eurer Briefe und Ratschläge und für die vielen persönlichen Geschichten, die ihr ihm anvertraut habt.
Er wird uns fehlen und nun werde ich nie wissen ob ich ihn hätte becircen können. Leicht gemacht hat er es mir nicht aber er hat mich immerhin gutwillig und freundlich an seiner Seite leben lassen und ich habe durch ihn viel über die Hundesprache gelernt. Er hat mir den Weg geöffnet zu euren Herzen und ich werde versuchen, euch in seinem Sinn weiterhin zu unterhalten.
...da war er noch ein junger Hund...

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